Im Waldenburgertal wollen die Unternehmen und die Sekundarschule enger zusammenarbeiten, um den Jugendlichen eine gute Berufsfindung zu ermöglichen. In einem zweijährigen Pilotprojekt wird ein Katalog an Massnahmen umgesetzt. Eine Arbeitsgruppe hat diese aufgrund einer Unternehmerstudie der Fachhochschule entwickelt.
(Dokumentendownload) Die heutigen Lehrlinge könnten nicht mehr rechnen und seien schlecht informiert über den Beruf, den sie ergreifen - so tönt es aktuell aus Lehrbetrieben aller Branchen. Auch im Waldenburgertal. In einem vorbildhaften Pilotprojekt reichen sich jetzt Schule und Unternehmen die Hände, um die Jugendlichen im Prozess der Berufsfindung besser zu begleiten. In den kommenden zwei Jahren werden sie einen Massnahmenkatalog umsetzen, den sie in einer Arbeitsgruppe mit dem Verein Pro Waldenburgertal, Trägerverein der Standortförderung, selbst erarbeitet haben. Geleitet wurde die Gruppe von Dr. Peter Jeger von der Handelskammer beider Basel. Grundlagen dafür waren dessen langjährige Vorarbeit zum Berufsfindungsprozess in der Schule sowie eine aktuelle Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz im Waldenburgertal. Im Auftrag von Pro Waldenburgertal hatten Lehrbeauftragte der Fachhochschule bei 29 Unternehmen aus Industrie und Gewerbe eine ausführlichen Befragung zu den beklagten Defiziten von Lernenden beim Übertritt von der Schule in die Berufslehre durchgeführt. Die befragten Unternehmen repräsentieren den Branchenmix der ca. 300 im Waldenburgertal ansässigen Firmen. Die Studie zeigte klaren Nachholbedarf in den Fächern Deutsch und Mathematik. Sie hält zudem fest, dass es vermehrt zu Lehrabbrüchen kommt, weil junge Leute mit falschen Berufsvorstellungen in die Lehre kommen.
Sekundarschule setzt Fokus auf Berufswahl
Die Schulleitung der Sekundarschule Oberdorf erklärt sich jetzt bereit, für die Dauer des Projektes ihren Freiraum, den sie als teilautonom geführte Schule besitzt, in den Dienst der regionalen Wirtschaft zu stellen. Zum Einen wird sie in allen drei Leistungsniveaus, A, E und P, Schwerpunkte in den bemängelten Fächern Deutsch und Mathematik setzen. Weiter wird sie den Jugendlichen ermöglichen, sich intensiver mit der Berufsvorbereitung zu befassen. In mehreren Gefässen, unter anderem einer Wochenlektion "Berufswahl" oder einer individuellen Sprechstunde, lernen die 8.- Klässler verschiedene Bildungs- und Berufswege kennen. Dabei werden ihnen sowohl die weiterführenden Schulen – Gymnasium und Fachmaturitätsschule – als auch der duale Bildungsweg über die Berufslehre näher gebracht. Unternehmer des Waldenburgertals sind mit einbezogen und engagieren sich gemeinsam mit der Schule, um den Jungen ihre Berufsfelder aufzuzeigen. "Das oberste Ziel der Beteiligten ist", so Erwin Killer, Präsident des Vereins Pro Waldenburgertal, "dass die Unternehmen im Waldenburgertal zu gutem Nachwuchs kommen und umgekehrt für die Schüler ein gutes Angebot an Lehrstellen zur Verfügung steht."
Schnupperlehren optimal gestalten
Auch bei den Schnupperlehren, welche als Hauptinstrument bei der Lehrlingsrekrutierung gelten, sahen die Initianten Handlungsbedarf. Ein neuer "Leitfaden Schnupperlehre im Waldenburgertal" gibt Tipps für Unternehmer, Lehrpersonen und Eltern, wie eine Schnupperlehre optimal und zum Vorteil aller Beteiligten durchgeführt wird. Ein neues einheitliches Anmeldeformular sorgt ausserdem dafür, dass Unternehmer, Lehrperson und Eltern über eine einheitliche Dokumentation verfügen.
Netzwerk und Erfahrungsgruppe
Die Arbeitsgruppe "Schule, Industrie und Gewerbe", in der sich auch die Handelskammer beider Basel engagiert, will ein Netzwerk etablieren mit Unternehmern, die ihre Berufe in der Schule vorstellen, mit Lehrpersonen zusammenarbeiten und auch bereit sind, in ihren Unternehmen Informationsveranstaltungen durchführen. Damit solche Veranstaltungen informativ und zielführend werden, wurde eigens ein Leitfaden geschaffen. "Aus dieser Zusammenarbeit soll mit der Zeit eine Erfahrungsplattform entstehen, welche sich regelmässig zu den Themen an der Schnittstelle Sekundarstufe I-Berufsbildung austauscht", erläutert Thomas E. Ruppli, Projektleiter Standortförderung Waldenburgertal. Er ergänzt: "Diese Kooperation zwischen Gewerbe, Industrie und Schule ist einzigartig und bringt Vorteile für einen grossen Personenkreis: Schüler, Eltern, Unternehmer und Lehrpersonen." Die Standortförderung werde kräftig dazu beitragen, dass die vermehrte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Schule sich institutionalisiere und sich mittelfristig auf die Qualität der Berufsbildung im Waldenburgertal auswirke.